NYIRAMACHABELLI

Die einsame Frau des Waldes

 

04:30 letzter Tag und auch noch verschlafen.

 

Es klopfte an der Türe. Ich öffnete die Augen und hörte die Stimme von Chris. Sabineeeee…good morning. Ich sprang auf, öffnete die Türe mit aufgerissenen Augen. Sorry, ich habe verschlafen. Schnell sprang ich in die Dusche, machte mich fertig und eilte vor die Lodge.

 

Wir fuhren wieder zum Nationalpark und warteten auf meine Gruppe, welcher ich zugeteilt werden sollte. Bei jeder Station versammelten sich kleine Grüppchen, doch ich blieb alleine. Nachdem mir dies ein wenig eigenartig vorkam, fragte ich Chris wo denn die Leute waren, die mit mir den Berg bezwingen wollten. Er lächelte und meinte mit ruhiger Stimme, dass ich ein wenig Geduld haben sollte.

 

Dann kam auch schon mein Ranger. Er reichte mir die Hand mit einem Riesen Grinsen im Gesicht. Noch immer stand ich hier alleine und wunderte mich, warum. Als er anfing mir alles zu erklären, unterbrach ich ihn und fragte, wo denn die anderen seien. Er lachte und meinte, ich bin die Einzige die diesen Aufstieg machen werde.  Wenn ich fit sei, dann würden wir in 3 1/2 Stunden oben sein. Im ersten Moment dachte ich mir, dass kann doch nicht sein ernst sein, doch als ich Chris ansah und auch er nur grinste, die Schultern zuckte, wusste ich, dass das sein Todernst war.

 

Also fuhren wir zum Startpunkt wo auch schon 4 weitere Männer warteten. 3 vom Militär und einer der mir beim Aufstieg helfen würde. Ab diesem Zeitpunkt war mir dann doch schon ein wenig mulmig. 5 Einheimische und eine weisse blonde Frau. Na gratuliere. Was man da schon für Horror Geschichten gehört hatte. Jedoch überwiegt der Drang meinen Traum zu verwirklichen, dem mulmigen Gefühl.

 

Also machten wir uns auf, den Berg zu erklimmen. Zwischen Chamäleons und Riesenregenwürmer, mussten wir durch Schlammpfützen und stechenden Pflanzen. Nach den ersten 1 1/2 Stunden merkte ich ein Brennen in den Oberschenkeln, soviel zum Thema fit. In diesem Moment war ich echt dankbar, als mein Ranger zur ersten Pause aufrief. 

 

Weitere 1 1/2 Stunden später, fing mein Helferlein an, Blumen zu pflücken. Da wurde mir klar, wir mussten ganz in der Nähe meines Zieles sein.

 

Weitere 15 Minuten erreichten wir den Karisoke Friedhof und standen vor dem Grab von Dian Fossey und Digit.

Wer ist eigentlich dieser digit?

Digit war jener Silberrücken, welchen Dian Fossey 10 Jahre erforschte und ihren geliebten Digit nannte. Digit, das zweijährige Gorilla-Männchen erhielt seinen Namen aufgrund seines verdrehten Mittelfingers, der, so vermutet man es, einmal gebrochen war. Daher auch der Name Digit = Finger.  1977 wurde er durch Wilderer getötet, als er versuchte seine Familie zu schützen. Ihm wurden Kopf, Hände und Füsse abgetrennt, vermutlich zu Souvenir Zwecke. Bekanntheit erlangte er mit dem Film Gorillas im Nebel in welchem Sigourney Weaver die Hauptrolle spielte. 

 

Ich war happy, es wirklich geschafft zu haben. Wir fingen an, das Laub von den Gräbern zu entfernen, so wird das immer gemacht, meinte mein Ranger. 

 

Als wir vor dem Grab standen, erzählte er mir, dass er ein Guide von Dian Fossey war. Sie sei ein böser Mensch zu den Einheimischen gewesen und habe sie sehr schlecht behandelt. So böse sie jedoch zu den Menschen war, war sie herzensgut zu den Menschenaffen. 

 

Dian Fossey wurde auf eigenem Wunsch, nach Ihrem gewaltsamen Tod, am Gorillafriedhof neben Digit beerdigt.

 

Auf einmal fing es an zu Donnern und als dieser verklungen war, auch schon an zu schütten. So traten wir den Rückweg an. Immer wieder blieb ich im Schlamm bis zu den Knien stecken und musste von meinem Helferlein wieder befreit werden. Nach zwei Stunden überkamen mich erste Zweifel diesen Abstieg zu schaffen. Ich fing an zu weinen und an mir selbst zu Zweifeln. Mein Ranger kam auf mich zu und meinte, das ich schon so weit gekommen bin wie niemand anderer bei solchen Bedingungen, den Rest schaffen wir auch noch.

 

Wiederwillig ging ich weiter.

 

1 1/2 Stunden später gab ich auf. Setzte mich in den Schlamm, weil es eh schon egal war.  Ich war bis auf die Knochen nass und die Wanderschuhe bis zum Anschlag mit Schlamm gefüllt. Mein Helferlein kam auf mich zu, packte mich an der Hand und grinste. Er sagte, wir schaffen das zusammen, wir sind fast da. 

 

30 Minuten später kamen wir endlich beim Auto von Chris an. 

Als ich einen Blick auf die Uhr warf, bekam ich Panik, da mir bewusst wurde, dass mein Rückflug bereits in 5 Stunden war. 

 

Schnell zur Lodge, meinen Koffer packen und auch schon wieder in den Jeep von Chris. Wir hatten ab diesem Zeitpunkt genau 4 Sunden bis zum Abflug. 

 

3 1/2 Stunden später erreichten wir den Airport. Ich bedankte mich bei Chris, umarmte ihn und lief in die Abflughalle. 2 Sicherheitschecks später, sass ich fix und fertig im Flieger, im Gepäck 1000 Erinnerungen und dem Bewusstsein, dass mein Traum kein Traum mehr war, sondern zur Realität wurde. 

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